Namibias schwierige Unabhängigkeit

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Namibias schwierige Unabhängigkeit

Von Guenay Ulutuncok

Es war ein langer und kräftezehrender Kampf, bis Namibia endlich seine Unabhängigkeit erhalten hat. Erst am 21. März 1990 wurde es formal selbstständig und war damit eins der letzten Länder überhaupt.

Der Weg in die Unabhängigkeit war lang und beschwerlich. Schließlich gehörte Namibia von 1884 bis 1915 zum Deutschen Reich und trug den Namen Deutsch Südwestafrika.

Nach dem ersten Weltkrieg wurde es unter UN-Mandat gestellt und somit unter südafrikanische Aufsicht.

Südafrika wurde in den folgenden Jahrzehnten zum ungeliebten großen Bruder, der die wirtschaftliche Entwicklung massiv beeinflusste, aber auch die Apartheid ins Land brachte.

Im Zuge der aufkommenden Apartheid wurde das Gebiet Namibias in sogenannte Homelands aufgeteilt, das heißt, jeder Bevölkerungsgruppe wurde ein festes Territorium zugewiesen, das nicht dauerhaft verlassen werden durfte.

Aufforderungen der Vereinten Nationen seit dem Jahre 1946, das Land in die Unabhängigkeit zu entlassen, wurden von Südafrika ignoriert, da Südwestafrika als Puffer gegenüber den von Schwarzen regierten „Feindstaaten“ dienen sollte. Dies führte zu erheblichen Spannungen zwischen Südafrika und der UNO und dem Entzug des völkerrechtlichen Mandates im Jahre 1966. Im Jahre 1966 rief daraufhin die 1960 gegründete, marxistisch beeinflusste Befreiungsbewegung Südwestafrikanische Volksorganisation oder kurz SWAPO, die mit sowjetischer Bewaffnung und Guerillamethoden von Angola aus agierte, den Krieg gegen Südafrika aus, mit dem Ziel, die Unabhängigkeit des Territoriums zu erlangen.

Nachdem 1978 der UN-Sicherheitsrat die Resolution 435 verabschiedet hatte, die einen Friedensplan für Namibia enthielt, reagierte Südafrika mit der Durchführung der ersten allgemeinen Wahlen in diesem Territorium, aus denen die Demokratische Turnhallenallianz (DTA) der konservativen weißen Minderheit als Sieger hervorging.

Da die Wahlen jedoch manipuliert waren, wurden sie von der SWAPO boykottiert und international nicht anerkannt. Dennoch übernahm Dirk Mudge, Vorsitzender der Turnhallenallianz, das Amt des Ministerpräsidenten, das er bis zur Auflösung des Parlaments im Jahr 1983 innehatte.

In den 1980er Jahren vermittelte die SWAPO insgesamt rund 500 Kinder von Namibia zur Erziehung und Ausbildung in die Deutsche Demokratische Republik. Sie wurden Ende August 1990 gemäß einem Regierungsabkommen zwischen DDR und Namibia wieder zurückgeführt.

Südafrika änderte erst 1988 nach Verhandlungen mit den USA, Angola und Kuba seine politische Haltung und erklärte sich im Rahmen eines UN-Friedensvertrages dazu bereit, die Besatzung aufzugeben. Die südafrikanischen Streitkräfte zogen bis November 1989, kurz nach den ersten freien Wahlen, unter Überwachung der UN-Einheit UNTAG vollständig ab.

Vom 7. bis 11. November 1989 fanden die ersten freien Wahlen in der Geschichte Namibias statt. Stärkste Partei wurde die SWAPO mit 41 von 72 Parlamentssitzen. Mit der Verabschiedung der Verfassung am 21. März 1990 war die Unabhängigkeit erreicht. Seither stellt die SWAPO sowohl Präsident als auch die Regierung Namibias.

Die durch die Apartheidspolitik geschaffene Reservatsgliederung (Homelands) wurde 1993 durch 13 gleichberechtigte, für jedermann frei zugängliche Regionen abgelöst. Auch wurde als eigene Staatswährung der Namibische Dollar (N$) eingeführt, welcher 1:1 an den südafrikanischen Rand gekoppelt ist. 1994 trat Südafrika die Enklave Walvis Bay zusammen mit den vorgelagerten Inseln an Namibia ab, welche zu Kolonialzeiten erst britisch und dann von Südafrika beansprucht war.

Da die ursprüngliche namibische Verfassung nach dem Vorbild der US-amerikanischen Verfassung nur zwei Amtsperioden eines Präsidenten erlaubte, wurde 1999 Sam Nujoma nach einer entsprechenden Verfassungsänderung ein drittes Mal zum Präsidenten gewählt.