Somalia | Mai 2017

Bürgerkrieg in Somalia – © photos: guenay ulutuncok/laif

Bundeswehreinsatz in Somalia

Terror und Hunger: 25 Jahre ohne zentrale Staatsmacht haben Somalia ins Chaos gestürzt. Auch wenn sich die Sicherheitslage zuletzt etwas stabilisiert hat, braucht das Land dringend Hilfe. Deshalb fand am 11. Mai 2017 in London die bereits vierte Geberkonferenz in fünf Jahren statt.

Als Diktator Siad Barre 1991 aus dem Amt gejagt wurde, zerfiel Somalia in seine Einzelteile, übernahmen die Anführer der fünf großen Haupt-Clans die Macht und verteidigten sie gegen jeden Einfluss von außen. Innerhalb ihrer Einflusssphären etablierten sich durchaus funktionierende regionale Strukturen, die – teilweise mit legalen, teilweise mit illegalen Mitteln – wirtschafteten, Handel trieben, eine Infrastruktur wie Straßen und Schulen errichteten und eigene Sicherheitsapparate aufbauten.

Als die Limousine des Leiters des somalischen Rechnungshofes an einem Kontrollpunkt nahe dem Präsidentenpalast gestoppt wird, bemerken dessen Leibwächter hinter sich einen anderen Wagen, der sich ebenfalls der Schranke nähert. Sofort eröffnen sie das Feuer und durchsieben das Fahrzeug, noch bevor klar ist, wer hinterm Steuer sitzt.

In dem Kugelhagel stirbt Somalias jüngster Minister, Abbas Abdulahi Siraji.

Ein anderes Regierungsmitglied, das neben ihm im Wagen sitzt, überlebt. Sirajis Wagen, so wird später erklärt, sei von den Leibwächtern irrtümlich für das Fahrzeug von Selbstmord-Attentätern der islamistischen Al-Shabaab-Miliz gehalten worden. Die Nerven liegen blank. Wem sein Leben lieb ist, für den gilt in der Hauptstadt Mogadischu und in weiten Teilen im Süden Somalias bis heute: erst schießen, dann fragen.

Jörg Brase, 12.05.17